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24 February 2019 0 comments Ehrenfeld

Ehrenfeld
Ehrenfeld "Who`s That Boy" I am Surprised/Believe Digital

The fire still burns… möchte man lax sagen. Alles wie gehabt, bei Peter Field. Natürlich war er wieder nicht allein im Studio - Anton "Toni" Fischer setzt mehr als nur deutliche Akzente bei EHRENFELD. Immer noch werden Stil-Asketen verstört durch eine Fülle mit reizvollen Wechseln von Dissonanz & Harmonie auf einem Album. Wiederholt als Schmankerl noch oben drauf, ein Gastmusiker & Freund nebst Liedgut aus gemeinsam bestrittener musikalischer Vergangenheit. Von Stillstand oder gar Selbstkopie kann bei dieser Veröffentlichung jedoch nicht die Rede sein. Eher vom absolut stärksten Werk eines Mannes, dessen Lebensleistung als Musiker vielfältiger als sein Bekanntheitsgrad in einschlägigen Medien ist.

Zerstörerische Klangbilder aus kaputtem Dark-Punk & Elektro-Liebeleien des Solo-Erstlings, von vor über 6 Jahren, weichen einem Grundcharakter für den man vertraute Genre-Schubladen nicht gebrauchen kann. Es wurde eine ausgewogene Mischung die in dieser Form einzigartig ist - manchmal zerbrechlich, manchmal brachial. Was alle Songs des Albums eint, ist ein atmosphärischer Tenor auf neofolkige Arrangements der angelsächsischen Prägung neben ausgelassenem wuchtigem Riff-Rock. Bereits im Albumtitel & dem gleichnamigen Opener wird der konzeptionelle Weg des Albums klar abgesteckt: Arenen & Rastplätze der verrinnenden Lebenszeit lässt man mit all ihren berauschenden & ernüchternden Momenten Revue passieren. Adoleszenter Nihilismus im Contra zum Subjektivismus, ökumenische Spiritualität & Pathos sind weitere Aspekte, die sich thematisch anführen lassen. Melancholie verpackt in clevere Songstrukturen, hier aber ohne die oft mitschwingende negative Art von Schwermut, vielmehr mit einer feinen Prise Genussucht.

Ach ja, die selig unbekümmerte Jugendzeit. Wer sie durchlebt, will sie loswerden - wer sie bereits hinter sich hat, trauert ihr nach…Wer also etwas von sich wissen will, muss auf Teufel komm raus vergleichen. Jüngere mit sich, sich mit den jüngeren & am Ende gar mit sich selbst. Davon erzählt das psychodelisch anmutende „Millionär An Zeit“ nach einem blinzelnd-verträumten Intro. Ganz anders im Anschluss „Funkelnder Stern“. Eine akustisch gezupfte Gitarre wird mit düsteren Basslines zu einem Spannungsbogen verwoben, welcher beim Einsatz von Field’s markant-sonorem Sprechgesang fast zu bersten droht. Schön hat sich seine Stimme entwickelt, etwas wärmer & druckvoller als bisher gehört ruft er nun nach dem rettenden Erlöser. Breite Gitarrenwände & Felix Flaucher an der 2ten Stimme untermauern die Ernsthaftigkeit dieses Verlangens. Ein einziger Hördurchgang genügt um zu funken. Hier ist der Versuch vollends gelungen, etwas auszudrücken, wozu die meisten Songwriter heutzutage kaum noch fähig sind: Leidenschaft!

Die Beschwichtigung folgt mit „I'm Okay „schon auf dem Fuße. Stampfend rockige Riffs a la Tony Iommi, unterlegt mit einer subsonischen Basssequenz sollen uns vermitteln: Egal was uns voneinander unterscheidet, wichtig allein ist es zum richtigen Zeitpunkt da zu sein. Einfach mal Nähe zulassen, die Hand des anderen halten… ein befreiendes Gefühl das von den Begrenzungen des Daseins nichts wissen will. Zeitweises Versinken in Verzweiflungszustände erscheint vor dem Hintergrund verlebter Zeit nur normal. Es gibt nur diese eine erste Zigarette danach, danach ist man einfach nur noch Raucher. „The Half Of The Moon” ist dennoch nur die eine Hälfte, die andere erscheint mit verquerer Melodiesequenz & abermals veredelt Felix Flaucher im Chorus.

Kein Tag ist wie der vorherige & erst recht kein rearrangierter Song wie sein Original. „Small & Tired” wächst zu einem puristischen Neofolk-Stück. Erdige Gitarre, Wardrums & Streicher erzeugen eine bezaubernde Collage des unverwechselbaren World Serpent Sounds, ohne sozialdarwinistische Proklamationen, dafür mit unendlich viel fragiler Natürlichkeit. Silke Bischoff verführt abermals in diesem neuen Gewand & ist in der Mitte des Albums perfekt platziert. Ob Indianer wirklich keinen Schmerz kennen, kann im darauffolgenden Song auch nicht geklärt werden. „The Great Manitou „macht aber aus Field & Fischer beschwörerische Schamanen, welche den großen Geist mit einem ganz entspannten Tanz der Friedenspfeife & witzigen Piano-Samples begrüßen. Sein Schutz gilt als der letzte Grund des menschlichen Strebens, nicht nur jenseits des Ozeans.

Im indianischen Glauben verwurzelt ist auch der „Sacred Tree”, aber eine ebenso große Rolle spielt er bei der altgermanischen Ostara & letztlich im Buddhismus. „No one can see what you see in dreams“ könnte hier für Siddharta stehen, der in der Mitte seines Lebens unter einer Pappelfeige erwachte & all der selbstzerstörerische Hass, maßlose Gier sowie Unwissenheit fielen endlich von ihm ab. Das „Kingdom Of Love” kann nun endlich kommen, mit fettem Bass & zarten Violinenzupfern alles Gewesene hinter sich lassen… Loslassen können, Urteilsfähigkeit & Spontanität besitzen sollte man schon am Anfang einer neuen Beziehung. Mit „Come And Dance With Me” fangen gegenseitige Sympathiebekundungen zumeist ja auch an. Wenn die Überzeugungsarbeit dann noch in solch gnadenlosem Rock ’n’ Roll auf die Tanzfläche kommt, wie man ihn sonst nur vom schwarzen Schmetterling aus Manhattan kennt, dürfte dem neuen Glück fast nichts mehr im Wege stehen.

Weiter zum schönsten Song des Albums & der ersten Auskopplung. Schon das verspielte Syhntie-Intro verzückt, bis die Lead-Gitarrenmelodie „Stay With Me” ganz sachte eröffnet. Voluminöse streicherdomoinierte Untermalung sorgt in diesem außerordentlich relaxten, eingängigen Song für eine ganz eigene Stimmung – welche durch herrlich schmachtende Gesangsparts von Field versus Flaucher gekrönt werden. Ein Fall für die Repeat-Taste, für die Endlos-Schleife… Im „Shiva Moon” wird dann das Ende des zyklischen Zeitverständnisses & auch des Albums eingeläutet. Es bedarf nunmehr keiner Millionen, allein 2 beschwörende Worte, ein paar rhythmische Akzente der Sitar & sirenenhafter Backgroundgesang genügen um die ewige Dauerschleife von Ende & Anfang zu ertanzen. Die Musik ist alles, du bist nichts.                

Autor: Ivo

Tracklist:

01. Millionär An Zeit
02. Funkelnder Stern
03. I'M Okay
04. The Half Of The Moon
05. Small & Tired
06. The Great Manitou
07. Sacred Tree
08. Kingdom Of Love
09. Come And Dance With Me
10. Stay With Me
11. Shiva Moon

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